
Walting.
Zur 91. und letzten Gemeinderatssitzung der Legislaturperiode 2020 bis 2026 hat Bürgermeister Daniel Paul das Gremium am Dienstag-Abend ins Gasthaus Rädlinger-Lorenz nach Walting eingeladen. Und es war in der Tat eine besondere Sitzung, denn es gab nicht nur eine öffentliche Tagesordnung, sondern auch nachdenkliche Worte des Gemeindeoberhaupts und einen kurzen Streifzug über Maßnahmen, Entscheidungen und Höhepunkte von 2020 bis heute. Da drei der fünf ausscheidenden Mitglieder schon seit 2014 im Boot sind und im Frühjahr 2020 ein solcher Abschiedsabend nicht möglich war, reichte der Rückblick in Teilen auch bis ins Jahr 2014. So wurde nochmals kurz ins Gedächtnis geholt, was in vielen Bereichen die Tagesordnung der Gemeinderatssitzungen füllte.
Einstimmige Entlastung
Zuvor galt es jedoch, den Rechnungsprüfungsbericht für das Haushaltsjahr 2024 kurz abzuarbeiten. Der Rechnungsprüfungsausschuss mit Vorsitzendem Wolfram Dischner und Kämmerei-Mitarbeiter Michael Schönberger hatte sich kürzlich im Rathaus getroffen, um die Kassenbücher des Jahres 2024 unter die Lupe zu nehmen. Größere Beanstandungen wurden nicht getroffen, lediglich bei den Verfügungsmitteln sowie bei fehlendem Skonto-Abzug oder dem Vertauschen einer Haushaltsstelle gab es Feststellungen. Die Entlastung erfolgte einstimmig. Am Ende der öffentlichen Sitzung war es dem Gemeindeoberhaupt und Gemeinderat Walter Höpfl ein Anliegen, den Mitgliedern des Gemeinderates ein besonders wertvolles Stück aus dem Archiv der Gemeinde Weiding vorzustellen. Am Dachboden des Rathauses ist jüngst ein 110 Jahre altes „Ehrenbuch“ mit allen handschriftlich eingetragenen männlichen Einwohnern der damaligen Gemeinde Weiding mit den Ortsteilen Weiding und Rettenhof zum Vorschein gekommen, die 1914 in den ersten Weltkrieg gezogen waren.
110 Jahre altes Ehrenbuch
Das Buch wurde im Jahr 1919 vom damaligen Bürgermeister Alois Engl mit sauberer Handschrift vervollständigt und auch die Gefallenen und Vermissten, teils mit Fotos, vermerkt. Alles stimme erfreulicherweise mit dem Kriegerdenkmal in Dalking überein, ließ Paul dabei wissen. Eine sogenannte „Stiftungsurkunde“ schließt dieses Buch ab. Es habe jedoch im Laufe der Jahrzehnte bedauerlicherweise einen großen Wasserschaden erlitten, informierte Paul die Gemeinderatsmitglieder. Von Papierrestauratorin Gabi Kleindorfer aus Vilsheim bei Landshut konnte dieses Buch gerettet und in ein extrem seltenes unbeschriebenes Exemplar mit den Original-Seiten übertragen werden. Besonders engagiert haben sich hier Ehrenbürger Konrad Schreiner und der Vorsitzende der SuKK Dalking, Walter Höpfl. Auch Höpfl stellte kurz das nun restaurierte und für die Nachwelt gesicherte wertvolle Buch vor. Es sei ein schöner Anlass im Jahr des 150-jährigen Bestehens der SuKK Dalking, freute sich Höpfl. Die Kosten belaufen sich auf rund 1.700 Euro brutto und werden von der Gemeinde übernommen. Die Mitglieder des Gemeinderates hatten im Anschluss die Gelegenheit, das Buch mit den in alter Schrift eingetragenen Informationen und personenbezogenen Daten und Fotos unter die Lupe zu nehmen.
Erreichtes kann sich sehen lassen
In seinem Rückblick hatte der Rathauschef schließlich auch nachdenkliche Worte mitgebracht. Man habe oft den Eindruck, dass viele Zeitgenossen eine ehrenamtliche, eine kommunale Arbeit nicht mehr in dem Maß wertschätzen, als noch vor Jahren. Doch von so manchem Desinteresse dürfe man sich nicht entmutigen lassen. Und dies habe auch der Gemeinderat Weiding in all den sechs Jahren nicht getan. Man habe sich für die Sache eingesetzt, um die Chambtal-Kommune vorwärts zu bringen, zu gestalten, zu investieren und für viele Gemeindebürger Nützliches und Sinnvolles auf die Beine zu stellen und die Daseinsvorsorge auszubauen. „Wir haben alle miteinander das Gesicht der Gemeinde zum Positiven verändert“, stellte Paul hierzu fest.
Viele schöne Momente
Nach bestem Wissen und Gewissen, mit Höhen und Tiefen, aber vor allem auch mit schönen Momenten, bei denen einem die kommunale Arbeit als gut bestätigt werde. Die Finanzen seien das eine, doch auch das Zwischenmenschliche sei oft herausfordernd und wichtiger als jeder Euro, den man hat oder nicht, meinte Paul dabei ein bisschen schmunzelnd. Er dankte jedem Einzelnen für den Einsatz im Gremium, für das aktive Mittun und für die gute Zusammenarbeit. Besonders dankte er 2. Bürgermeister Alwin Schlamminger und 3. Bürgermeister Christian Spindler für das Engagement, die kurzen Wege und das große Vertrauen. Und ein großes Vergelt’s Gott ging an diesem Abend zu guter Letzt auch an Rathaus-Geschäftsleiter Andreas Engl, der mit seinem Fachwissen und seiner Sitzungsvorbereitung jahrein jahraus einen ebenso wichtigen Beitrag leiste.
Vielfalt der Kommune sichtbar
Straßenbaumaßnahmen, kommunale Hoch- und Tiefbaumaßnahmen, viel Eigenleistung des Gemeindebauhofs und Fahrzeugbeschaffungen im Feuerwehrbereich sowie im Bauhof waren im Anschluss die Schwerpunkte beim Rückblick in Wort und Bild des Bürgermeisters. Nach der persönlichen Verabschiedung der fünf ausscheidenden Mitglieder war es auch den beiden Stellvertretern Schlamminger und Spindler ein Anliegen, sich den Dankesworten anzuschließen und ebenfalls auf die konstruktive Zusammenarbeit der vergangenen Jahre mit Bürgermeister Daniel Paul an der Spitze zu verweisen. Mit Blick auf’s neue Gremium wurde der große Wunsch laut, dass dies auch künftig so vertrauensvoll fortgesetzt werde. Ein gemeinsames Abendessen aus der Rädlinger-Lorenz-Küche rundete die letzte Zusammenkunft des Gremiums 2020 bis 2026 ab.
Verabschiedete Gemeinderatsmitglieder:
Lydia Amann, Dalking, 12 Jahre (zuvor schon 12 Jahre von 1990 bis 2002);
Hans Jürgen Rohrmüller, Rettenhof, 12 Jahre;
Stefan Spindler, Pinzing, 12 Jahre;
Albert Rädlinger, Walting, 6 Jahre;
Antonia Wutz, Dalking, 6 Jahre;