
Döbersing.
Nur ein winziger Prozentsatz der Ehen erreicht die Dauer von 70 Jahren. Eine genaue Statistik hierzu gibt es nicht. Und so darf man es zweifelsfrei als Gnade und Ehre bezeichnen, eine solche Feier mitzuerleben und dem Jubelpaar Glück- und Segenswünsche auszusprechen. Getan hat dies am Sonntag im Gasthof „Zum Türlinger“ in Thierling die gesamte Familie des rüstigen Ehepaares Fanny und Oskar Höcherl aus Döbersing in der Gemeinde Weiding. Darüberhinaus war es den beiden auch eine große Freude, etliche Ehrengäste begrüßen zu dürfen. So freuten sie sich über die Anwesenheit von Dalkings Pfarrer Franz Merl, Seniorenclub-Leiterin Jutta Weingärtner, Chorleiter Hans Ascherl, Bürgermeister Daniel Paul, Altbürgermeister Karl Holmeier und die Vertreter des Oberpfälzer Volksliedkreises der Region Cham. Hier oblag dem Duo „Herbert und Pepp“ die musikalische Umrahmung der Feier.
Oskar Höcherl musikalisches Urgestein
Denn Oskar Höcherl war selbst als unterhaltsamer und musikalischer Mensch jahrelang gerne aktiv. Pepp Deiminger und Herbert Täuber überbrachten dem Jubelpaar musikalische Grüße und bedankten sich für die nunmehr 20-jährige Treue und Verbundenheit zum OVK Cham. Nachdem vor fünf Jahren die Eiserne Hochzeit, also das 65-jährige Ehejubiläum coronabedingt ausfallen musste, wurde nun die Gnadenhochzeit entsprechend nachgefeiert. Und die Freude stand allen Gästen, allen voran dem Jubelpaar und den drei Kindern Gabi, Sandro und Axel sowie Enkeltochter Simone ins Gesicht geschrieben, so ein extrem seltenes Jubiläum mit Eltern und Großeltern feiern zu dürfen. Tochter Gabi hatte eine kleine Laudatio vorbereitet und bedankte sich bei ihren Eltern für die liebevolle familiäre Umgebung in all den Jahrzehnten.
Den Krieg noch erlebt
Oskar Höcherl erblickte am 7. November 1927 in Loibling bei Roding das Licht der Welt und besuchte die Volksschule in Trasching. Auch der Krieg zählt noch zu den Erinnerungen an Kindheit und Jugendzeit. Im November 1944 wurde er noch zur Wehrmacht nach Heilbronn eingezogen, kam nach Kriegsende in amerikanische Kriegsgefangenschaft nach Südfrankreich und Gott sei Dank bereits im Dezember 1945 wieder nach Hause. Beruflich verschlug es ihn schließlich ins württembergische Feuerbach zur Firma Bosch. Dort machte er bereits erste Erfahrungen mit der Gastronomie, was später sein Hauptberuf werden sollte. Seine Ehefrau Fanny, mit Mädchenname Fischer, wurde am 22. Oktober 1936 in Penting geboren. Nach der Volksschule im Ort ging es weiter zur Realschule der Armen Schulschwestern nach Cham. Hier war sie täglich viele Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs. Kennengelernt haben sich beide in Roding. Am 27. Dezember 1955 heirateten sie schließlich in der Gemeindekanzlei Penting bei Bürgermeister Michael Fischer. Tags darauf wurde das Eheversprechen vor Gott in der Expositurkirche Trasching besiegelt.
Nach Württemberg und wieder zurück
Den Kindern Gabi, Sandro und Axel wurde das Leben geschenkt. Enkelin Simone ist heute der große Stolz der rüstigen Großeltern. Nach der Hochzeit baute das Paar in Bissingen im württembergischen Kreis Ludwigsburg ein Haus. Später übernahmen die beiden dort eine Gastwirtschaft. Doch sollte wieder Ostbayern die Heimat der Höcherls werden. Durch Mitwirken des Cousins der Ehefrau, Dr. Max Fischer, kehrte das Paar 1967 zurück in die Heimat. Am Besten erinnert sich das Jubelpaar an die schöne Zeit in Furth im Wald. Hier wurde an der Grenze in Schafberg ein eigenes Wirtshaus gebaut, 1969 eröffnet und viele Jahre erfolgreich betrieben. Viel Politprominenz ging hier ein und aus. Stundenlang könnte das Paar darüber erzählen. Eine gute alte Zeit, trotz des Eisernen Vorhangs, durften die beiden dort an der Nahtstelle zwischen zwei politischen Welten erleben. Nach 23 Jahren in der Grenzstadt kaufte die Familie in Döbersing ein neues Zuhause und sind seither mit Pfarrei und Gemeinde fest verbunden. Bei Sohn Axel und dessen Familie in der Gibachtstraße in Döbersing fühlen sich beide sehr wohl und verbringen bei so mancher Schafkopfrunde ihren Lebensabend.